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Poetry Slam

 #1: Ich, Christopher Ich, Christopher, zweiundzwanzig, Geboren in Augsburg, gebürtig Lechhausen, Dort jahrelang politisch aktiv Und ich lerne gerne Menschen kennen. Ich studiere Philosophie und Germanistik, Bald Philosophie und Psychologie. Museumsaufsicht auf Minijobbasis, Vorher im Kino, denn ich liebe die Künste  Und ich probiere gerne neues aus: Hallo Augsburg, hallo Lamm, Es freut mich, euch kennenzulernen. So viel zu mir, doch warum bin ich hier? Als Samuel mich fragte: wie sieht's aus, Hast du Lust auf Poetry Slam? Hielt ich kurz inne ... ... Ja, Warum es eigentlich nicht mal probieren. Ich zündete ne Kerze, griff zum Stift, Nahm ein Stück Papier zu mir Und begann zu ... ja, was denn nun? Poetry Slam, was bist du eigentlich? Entschuldigung, der Philosoph, Denn ich weiß ja eigentlich doch nichts, Zur Vorsicht: über Poetry Slam. Worüber soll ich denn was schreiben Und wenn worüber, dann auch wie? Ja gut, ich hab schon ein-zweimal Verschiedene Slammer Live gesehen, Doch d...

Sanité

(Eine surrealistische Episode) Es sind fast Fesseln die mich binden An mein schneeweiß Dornenbett. Um mich da könnt ihr tausend finden, Als da wimmelt es mich weg. Nur ab und an geb ich ein Laut ab, Huste leise, atme doch. Ich läg nicht, wär ich der, der aufgab. Nein, denk ich, ich bleibe noch. Die Hallen sind wie Säulentore, Schaut hindurch und findet nichts. Der Weißmann hustet die zur Pforte, Lässt die gehen, Freiheit gibt's. Und ich? Ich bleibe. Liege noch im Bette, Schau hinaus, verwundert Blick, Ob er mich wohl auch fliehen hätte, Was, ach, soll's, ich gehe nicht.

Kleiner Spaziergang

 ~ eine romantische Ballade ~   War's Tag, war's Nacht am Himmel schon, Da mich die Wanderlust empfing, Da mir das Leiden ward geflohn Und ich dann meines Weges ging.   Erst kam am Weg ein Vöglein näh'r, Es flog zu mir, es sang für mich: "Du großer Mensch von Ferne her, So gehe fort, verlauf dich nicht." Er hob sich an und flog empor Und ließ mich meines Weges ziehn. Dann kam ein Fluss ganz sanf hervor Und ließ sich mir zum Baden dien'n.   Es war die Sonn' nun über mir, Dass sich ein alter Baume naht Und mir die Blätter gab zur Zier. Da war mir wohl durch seine Tat.   Das Blatt wurd gelb, der Himmel rot, Die Sonne schwand, der Schatten stieg Und in mir stieg die bitt're Not, Ich hob die Stirn, ach, Welt vergib.    Der dichte Wald so Nahe war, Die Krähen krächzten zu mir her, Ich war der Schatten mir gewahr, Dem kalten, grauen Schreckensheer.   Dort eine Hand, sie suchte mich, Sie griff nach mir und tränkte sich An meiner Angst, so wuchs sie an Und...

Die neuen Epigramme

I. Prolog. Eben noch saß ich am Tisch und suchte die Wörter zu zwingen      Jenes strenge Korsett lustiger Sprüche zu tragen, Sprach auf einmal, ich schrieb schon Zwanzig, zu mir die Stimme,      "Lege nieder den Stift, lausche dem Klagen des Nichts." Kälte umgab mich so plötzlich, es schien mir die Luft zu entweichen:      Nihil, so führe mich, nimm dir der Wörter Tribut! II. Der alte Meister. Gryphius dichtete viel von Tod und vom Leiden auf Erden,      Sagt mir alle doch, hatte er Unrecht gehabt? III. Ein Junge. Ging das Kind denn neulich noch die Straße hinunter,      Lachte und freute sich, spielte so selig im Traum, Sage mir, was geschah mit jenem Jungen dort unten?      Immer noch geht er dort lang, Freude jedoch wich dem Schmerz. IV. Zwei Gesellen. Seh ich so kecke Gesellen, ach Gott, die Tränen mir schwellen.      Warte noch, Hauch, eh du wehst, lass ihnen etwas mehr Zeit. V...

Weimarer Elegie

Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr alten Skulpturen!      Straßen, redet ein Wort! Genius, rage empor! Ja, ein erhabener Geist beseelt deine Mauern, o Weimar,      Weht und flüstert in dir, hörte ich nur, was er sagt ... Wo, ach, finde ich ihn. An Häusern an Fenstern vergebens      Such ich nach ihrer Gestalt, lausche ihr um einen Vers. Ahn' ich noch nicht, dass vom Tempel schon Amor sein'n Bogen hervorhällt?      Spüre ich nicht auch schon all das vergang'ne um mich? Sehe ich noch Palast um Kirche, Ruinen um Säulen,      Baum um Baum herum spricht bald der Mamor zu mir. Venus und Juno, ich ehre euch beide, Geburt aus dem Meere,      Schöpferische Kraft, Weimar, ach, sprich schon mit mir! Bald doch ist es so weit da sein Pfeil mich im Herzen erreicht.      Sei mir ein Priester, o Stadt, der den Geweihten empfängt,   Führe mich aus dem Nichts und verlobe mich mit dem Geist, de...

Poetische Bilder

I. Nachtbild   Der Mond, er könnte nicht schöner sein, Als Nachts in dieser Stadt Die Sterne funkeln im magischen Schein Und ich stehe, sehe mich satt. Im Wasser tanzen die feurigen Lichter In unsrer Augen Spiel. Da werden die Bilder immer dichter Um uns und ohne Ziel. Dann dreht sich langsam der Erden Ball, Und Nacht wird langsam Tag, Wir stehen noch da und hören den Hall, Der still noch immer lag.   II.  Smaragdblaues Wasser tanzt im Spiel der Sonne, Die dieses Land mit ihrer Hitze umhegt, Nur nicht das Wasser, das klar und kühl da treibt Und keinen Anstand nimmt, dem Feuerball zu weichen.   Die kleinen Hügel, die sich fern erheben, Sie strahlen golden zwischen tausend Bäumen, Nur hier und da erhebt sich mal ein Haus, Macht müde auf und lächelt dann in sich. Und fern, in weichem grau, um Wolken herum, Erheben sich leicht die großen, alten Berge, Sie gähnen noch eh sie verschwimmen im Blau. Da treiben auch sie im wohlig kaltem Tanz Des leuchtend smaragdblauem Wasser...

Krankenhausbilder (prosaische Dichtung)

I. Ich sitze am Ende des Ganges, der Notausgang hinter mir und ich mit dem Rücken zu ihm, höre Musik, lese und schaue, beobachte und wie immer, jede Bewegung, sei es auch die Stille, die durch den Gang zieht, erregt einen Gedanken. Ich erlebe diese Gedanken, ich sitze und lausche und lasse sie mich durchfließen.  II. Der Boden blau, am Rand grün, die Wände weiß. Das kalte Licht reflektiert auf dem Plastikboden. Immer wieder hängen irgendwelche Gemälde an den Wänden, das restliche Mobiliar sind Betten, Geräte und dergleichen. Am Ende des Ganges steht in Orange ein Mann der wartet. Jetzt nimmt er eine Halbtote mit. Ich sehe es. Ich will nicht länger, würde raus gehen, wenn ich könnte. Die Putzkraft steht vor mir, verbirgt die leere, wo die Halbtote lag, fährt ruhig den Mop über den Boden, zeigt keine Emotionen, ihr ist alles egal geworden. Ich wünschte ich weinte. III. Ich bin hier alleine. Also nicht, dass ich alleine bin, überall sind Menschen. Gestern kam Besuch. Es war wunderschö...

Selbstporträt

Wer reicht mir da noch seine Hand... Wenn Abends im Traum die Schatten tanzen Am See, beim Spiel der schlafenden Pflanzen, Dann Lieg ich, die Hand zum Himmel gewandt. Ich halte ein Häufchen Sand von mir, Der langsam zum Boden hinunter rieselt. Und hinter mir einer, der vor sich hin fiedelt, Und doch spür ich seinen Atem nicht hier. Dann greift eine kalte Hand nach der Schulter, Ein Berieseln des blaubraunen Flusses strömt Sogleich in mir, das Thema ertönt, Das c-h-c-a, das spielt er mir munter. Und ich weine den traurigen Fluss in mir aus, Ich stehe alleine auf schwarzer Heide, Sehe nur die rotbrennende Weide, Die mir gleich, weinend das Rot von sich raunt. Der eine, der hinter mir noch steht, Er atmet nun ein letztes Mal aus, Einen kalten, müden, alten Hauch, Der mit den Tönen um mich schwebt.

Nebellandschaft

Die schwarzrotgelbe Fahne weht Weit über all den Dächern müd, Ein Hauch, der durch die Felder geht, Ist alt und still ist sein Gemüt.   Der Nübel trübt das große Land, Kein Wand'rer singt sein frohes Lied. Die bunte Blühte lang schon schwand Und auch der Herbst im sterben liegt.   Das Gelb verblasst zu kaltem weiß, Mir ist so fremd, ich bin allein, Ein Niemandsland, sagt niemand leis' Und keine Kirche klingt, kein Schrein.   Und wie der Hauch sich weiter hebt Zum hohen Himmel hoch hinauf, Der alte Greis sich schlafen legt, Erlischt die Sicht im trüben Hauch.

Das Phantom der Nacht

Die Straßen riechen vertraut nach dem Tod Und das düst're, die Nacht, ertränkt den Mond, "Er ist gekommen, auf Blut fuhr sein Boot, Der Schatten trägt seinen brennenden Thron."   Ein Hauch umweht den weißen Wind Und weicht der Kälte der Todgeweihten. Welch Schreck, da Ratten nagen am Kind Und blutrot scheint das Kreuz zu Zeiten.   Sie opfert sich, sie gibt ihr Blut, Das Reine, der Nacht, des Todes Brut. Ein Engel weint, sein Gewand - getränkt In dickem Rot - hat ihn längst erhängt.   Da lacht Nosferatu dem Licht ins Gesicht, Da sich seine Fänge an goldenem Fleisch Verbeißen und kommen soll sein Reich, Sein Wille geschehe, sein Wort sei Gericht.   Wie viele Tränen flossen doch, Da all den Tapf'ren vernebelt der Mut Und Ratten, Pest und Schatten noch Sich nährten an der Jungfern Blut.   Dann, hört nur, das Krähen des Hans erklingt, Kichernd wie Kinder. Nach langer Krankheit Erwacht der Tag, der das Licht wieder bringt, Doch Schmerz bleibt, ach, ihr, deren Opfer Da...