Krankenhausbilder (prosaische Dichtung)
I.
Ich sitze am Ende des Ganges, der Notausgang hinter mir und ich mit dem Rücken zu ihm, höre Musik, lese und schaue, beobachte und wie immer, jede Bewegung, sei es auch die Stille, die durch den Gang zieht, erregt einen Gedanken. Ich erlebe diese Gedanken, ich sitze und lausche und lasse sie mich durchfließen.
II.
Der Boden blau, am Rand grün, die Wände weiß. Das kalte Licht reflektiert auf dem Plastikboden. Immer wieder hängen irgendwelche Gemälde an den Wänden, das restliche Mobiliar sind Betten, Geräte und dergleichen. Am Ende des Ganges steht in Orange ein Mann der wartet. Jetzt nimmt er eine Halbtote mit. Ich sehe es. Ich will nicht länger, würde raus gehen, wenn ich könnte. Die Putzkraft steht vor mir, verbirgt die leere, wo die Halbtote lag, fährt ruhig den Mop über den Boden, zeigt keine Emotionen, ihr ist alles egal geworden. Ich wünschte ich weinte.
III.
Ich bin hier alleine. Also nicht, dass ich alleine bin, überall sind Menschen. Gestern kam Besuch. Es war wunderschön, kurz war ich dann auch nicht mehr alleine. Aber ich bin es jetzt und es drückt schwer. Es vermählt sich mit der Angst, die mich hier immer begleitet und beide freuen sich, kosen sich, sie machen es nicht böse, eher wie zwei frisch verheiratete. Darum nehme ich es ihnen nicht böse, ich kann es nicht, auch wenn ich es gerne würde.
IV.
"Ich hab mich schon gefragt, wo mein junger Freund wohl ist." Ein Mann, sechzig und mit verwuschelten Haaren und einem Bart, den nur Leute wie er haben. Ich kenne solche Herren, sie sind immer interessant, ich mag sie. Auch hier also, denke ich mir. Er kurbelt mich an die Flasche, deren Inhalt mit mir eins wird, wie meine Gedanken die Farbe der Wände angenommen haben und meine Stimmung irgendwo über den hohen Baumwänden streift, als suchte sie einen restlichen Funken Freiheit, Leben. Ich bedanke mich, er sagt etwas, ich hab es vergessen - und geht. Kaum ist sie weg, schwelgt mein Denken wieder in jenem weißgrau, meine Stimmung flieht hinaus, lässt mich, der eins mit dem Inhalt der Flasche geworden ist, zurück. Und ich fühle mich allein.
V.
Vor dem Haus stehen zwei dekorative Steine, sie wurden da hingestellt, dass ich nun darauf sitze und das Gebäude anschaue, es beklage und verurteile und dass es, das Gebäude, in seinem blassem Blau und kaltem Grau nur unbekümmert schweigt.
VI.
Und während in dem roten Buch in meiner Hand die tiefblauen Wellen des unendlichen Meeres sich immer mal wieder zu einer grauen Masse erheben, drehe ich mich um, wenn keiner schaut nur, und schaue zum Notausgang, denke durch und sehe die Treppe hinunter. Mich friert es, nur die Türe scheint während alles andere langsam weiter in das tiefe schwarz versinkt. Ich würde, der Griff, meine Hand, nur einmal drücken ... das ruhige Rauschen morgendlicher Wellen, die noch in hellem blau ihre Spiele spielen. Ich, sitzend, das graue Buch in meiner Hand, mit dem Rücken zum Notausgang, schaue stumm den Gang hinunter.
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